Am 21. Juli 2026 starb der kanadische Lobpreisleiter und Songwriter Brian Doerksen im Alter von 60 Jahren. Nur wenige Tage zuvor hatte er seine Krebserkrankung öffentlich gemacht. Seine Familie schrieb auf Instagram: „Am 21. Juli ist unser geliebter Brian friedlich im Schlaf in seinem Elternhaus verstorben, umgeben von denen, die ihn am meisten liebten.“ Doerksen hinterlässt seine Ehefrau Joyce sowie sechs Kinder.
Mit seinen Liedern prägte Brian Doerksen über Jahrzehnte die internationale Lobpreisbewegung. Songs wie Come, Now Is the Time to Worship, Refiner’s Fire oder Faithful One werden bis heute in Gemeinden auf allen Kontinenten gesungen. Sie haben Millionen Christen geholfen, Gottes Größe zu feiern, ihm in schweren Zeiten zu vertrauen und ihm mit offenem Herzen zu begegnen.
Mehr als ein Songwriter
Doerksen entstammt einer Mennoniten-Familie. Für „Jugend mit einer Mission“ war er von 1985 bis 1989 tätig. Später wurde er Pastor der ersten Vineyard-Gemeinde Kanadas. In dieser Zeit begann er Lobpreislieder zu komponieren. 1994 veröffentlichte er das Musical „Father’s House“.
Trotz des Erfolges folgte eine wirtschaftlich schwierige Zeit, die schließlich im finanziellen Zusammenbruch mündete.
Zur selben Zeit suchte die Vineyard-Kirche in Großbritannien einen Lobpreis-Leiter und Trainer für Songwriter. Brian zog mit seiner Familie nach England, wo er an zahlreichen erfolgreichen Alben mitarbeitete. 1999 kehrte er nach Kanada zurück.
Lobpreis aus dem Leiden
Viele seiner bekanntesten Lieder entstanden nicht aus Zeiten des Erfolgs, sondern mitten im persönlichen Leid: Zwei Söhne seiner insgesamt sechs Kinder wurden mit dem Fragile-X-Syndrom geboren und benötigen lebenslange Pflege. «Mir brach das Herz. Ich war am Boden zerstört. Ich hatte mir immer einen Sohn erträumt, mit dem ich mein Leben, meine Musik teilen könnte und der meinen Namen weitertragen würde. All das brach mit der Nachricht zusammen, dass mein Sohn diese Behinderung hat und lebenslang auf Hilfe angewiesen sein würde. Das war sehr, sehr hart. Die Last der Zukunft brach über mir zusammen», beschrieb er seine Reaktion in einem ERF-Interview 2018. «Noch schlimmer war es für mich, als unser zweiter Sohn mit der gleichen Krankheit diagnostiziert wurde», erinnerte sich Doerksen. «An dem Tag stolperte ich weinend aus dem Haus und sagte: ‚Gott, wie soll ich das machen? Jetzt haben wir zwei Söhne mit besonderen Bedürfnissen. Wie sollen wir das packen?‘ Am Ende jenes Tages traf ich eine Entscheidung. Ich wollte kündigen: ‚Okay, Gott. Du hast mir eine Berufung gegeben. Aber jetzt kann ich das nicht mehr.‘ Doch dann war mir, als würde Gott mich einladen, trotzdem weiterzumachen – allerdings hinkend.»
Die Lebensmelodie der Treue Gottes
„Ich habe mich nie so recht dazu berufen gefühlt, triumphale Lieder für Menschen zu schreiben, die total gut drauf sind. Ich wollte ehrliche Lieder schreiben über einen treuen Gott. Darüber, dass Gott Liebe ist. Aber ehrlich die Menschen ansprechen, die kämpfen», beschreibt Doerksen seine Lieder weiter. «Vielleicht gehörte er deshalb zu den wenigen christlichen Songwritern, die den Mut hatten, auch Klagelieder zu schreiben – in der Tradition der Psalmen», schreibt der Theologe Manuel Schmid in einem spontanen Nachruf. «Seine Lieder verschwiegen Leid, Zweifel und offene Fragen nicht, sondern hielten daran fest, dass Gott auch im Dunkeln gegenwärtig bleibt. Gleichzeitig hat kaum jemand so eindrücklich von der väterlichen Liebe Gottes gesungen.» Doerksen selbst dazu: «In unseren Gottesdiensten muss auch Platz sein, zu den Kämpfen, dem Leid und dem Schmerz zu stehen, die wir durchmachen – mitten in unserem Lobpreis.»
Er bedauerte, dass in vielen Gemeinden kaum Raum für Klage und Verletzlichkeit geblieben sei. «Wer also mit diesen Dingen zu kämpfen hat, fühlt sich abgehängt. Als sei etwas verkehrt mit einem selbst, weil man mit seinem ganz normalen Menschsein zu kämpfen hat.»
Gottes Treue wurde ihm umso wichtiger: «Meine Lobpreislieder drücken nicht mehr ‚Ich weiß‘ aus, sondern ‚Ich weiß nicht, ich vertraue‘. Das war also ein Dreh- und Angelpunkt für mich. Ich schrieb zur Geburt unseres zweiten Sohnes Isaiah das Lied ‚Your Faithfulness‘, zu Deutsch ‚Deine Treue’…»
Und dieses Vertrauen wurde nicht enttäuscht: «Es war ein Kampf, aber Stück für Stück kam auch die Erkenntnis, welch ein Geschenk meine Söhne sind. Und Schritt für Schritt entstand aus dieser Herausforderung auch Segen. Und Gnade und Güte. Und Liebe. Und Mitgefühl. Und Freundlichkeit. Und Verständnis. Ich würde das für nichts mehr eintauschen.»
Lieder für die weltweite Gemeinde
Mit seinen Alben prägte Brian Doerksen die moderne Lobpreisbewegung nachhaltig. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählt Acoustic Worship: Isn’t He (1996), ein Vineyard-Klassiker mit einigen seiner bekanntesten Lieder, der durch seine schlichten und gemeindetauglichen Arrangements bis heute geschätzt wird. Den internationalen Durchbruch als Songwriter brachte ihm das Album Come, Now Is the Time (1998). Zu seinen erfolgreichsten Werken gehört außerdem Holy God (2006), das 2008 mit einem kanadischen Juno Award ausgezeichnet wurde.
Sein musikalisches Vermächtnis spiegelt sich besonders in Liedern wider, die bis heute weltweit in Gemeinden gesungen werden. Come, Now Is the Time to Worship zählt zu den bekanntesten Anbetungsliedern der vergangenen Jahrzehnte. Refiner’s Fire brachte die Sehnsucht einer ganzen Generation nach Heiligung und der Gegenwart Gottes zum Ausdruck. In Faithful One steht der Trost über Gottes unveränderliche Treue im Mittelpunkt, während Light the Fire Again eng mit der Vineyard-Bewegung und ihrem Ruf nach geistlicher Erneuerung verbunden ist.
Ich würde übrigens statt „Lieder, die um die Welt gingen“ die Überschrift „Lieder für die Weltkirche“ oder „Lieder, die Generationen prägten“ bevorzugen. Das klingt etwas zeitloser und passt gut zum Charakter des Nachrufs.
Brian Doerksen war weniger ein typischer Konferenz-„Star“ als vielmehr ein prägender Lobpreisleiter der Vineyard-Bewegung. Sein Einfluss entstand vor allem dadurch, dass seine Lieder auf großen internationalen Konferenzen gesungen wurden. Internationale Vineyard-Konferenzen (USA, Kanada, Europa)
Dies war der Schwerpunkt seines Dienstes. Als einer der wichtigsten Songwriter und Lobpreisleiter von Vineyard Music leitete Doerksen über viele Jahre den Lobpreis bei den großen Vineyard-Konferenzen unter der Leitung von John Wimber und späteren Vineyard-Leitern. Viele seiner bekanntesten Lieder entstanden oder wurden dort erstmals einem internationalen Publikum vorgestellt.
Während seines zweijährigen Aufenthalts in England (1997–1999) wurde Doerksen zu einer Schlüsselfigur der britischen Vineyard-Bewegung. Er leitete zahlreiche nationale Konferenzen, schulte Lobpreisleiter und produzierte dort das wegweisende Album Come, Now Is the Time.
Brian Doerksen gehörte mehrfach zum Kreis der Lobpreisleiter und Referenten der New Wine Summer Conference, einer der größten charismatischen Konferenzen Europas mit mehreren zehntausend Teilnehmern. Dort stand er neben Leitern wie Martin Smith und Rend Collective auf der Bühne. Für den deutschsprachigen Raum besonders erwähnenswert ist sein Auftritt bei Calling All Nations in Berlin 2006, einer internationalen Gebets- und Missionskonferenz mit Teilnehmern aus vielen Nationen.
Authentisch bis zuletzt
Martin Bühlmann, Gründer und «Grand old man» von Vineyard D-A-CH, kannte Brian Doerksen gut. «Er wurde weltweit geschätzt – nicht nur wegen seiner Lieder, sondern auch wegen seiner persönlichen Integrität, die dahinterstand», kommentiert er den Tod des Musikers. «Er sang, was seine tiefste Überzeugung war: Friede, Gerechtigkeit, die Liebe des Vaters. Er hatte eine Weichherzigkeit, die Christen auf der ganzen Welt ergriffen hat.»
Das Vermächtnis klingt weiter
Jeden Sonntag wird wohl irgendwo auf der Welt in einer Kirche eines seiner Lieder gesungen, eben weil sie zeitlos sind. Ob Come, Now Is the Time to Worship oder Faithful One – vielleicht kennen viele Christen seinen Namen gar nicht. Seine Lieder aber werden noch lange Menschen helfen, Jesus anzubeten und auf Gottes Treue zu vertrauen.
Quelle Titelbild: Brian Doerksen