Vom Drogendealer zum Retter von Kriegswaisen: Die ungewöhnliche Geschichte des „Machine Gun Preacher“ wirft Fragen auf – und erzählt davon, wie radikal sich ein Leben verändern kann.
Kinder werden verschleppt, gefoltert, vergewaltigt und als Kindersoldaten missbraucht. Als Sam Childers mit dem Leid der Kinder im Sudan konfrontiert wurde, wollte er nicht länger wegsehen. Der ehemalige Drogendealer gab sein komfortables Leben in den USA auf und begann, sich in Afrika für Kinder einzusetzen, die unter den Folgen von Krieg und Gewalt litten.
Dabei ging er ungewöhnliche und umstrittene Wege. Mit der Bibel in der einen und einer Waffe in der anderen Hand versuchte er, Kinder zu retten und ihnen das Evangelium von Jesus Christus nahezubringen. Für die einen ist er ein Held, für die anderen wirft sein Vorgehen grundlegende Fragen auf: Wie weit darf man gehen, um Menschenleben zu retten? Kann der Einsatz von Waffengewalt für einen Christen gerechtfertigt sein? Und heiligt ein guter Zweck die Mittel?
Childers weiß, dass sein Lebensstil polarisiert. Über sich selbst sagt er: „Ich bin wohl der verkorksteste Prediger auf der Welt, aber ich liebe Jesus Christus.“
Aus einer Rettungsaktion wird eine Lebensaufgabe
Was als persönlicher Einsatz begann, entwickelte sich zu einem langfristigen Hilfswerk. Die von Childers gegründete gemeinnützige Organisation Angels of East Africa betreibt Waisenhäuser mit mehr als 200 Kindern – unter anderem in Nimule im Südsudan sowie in Gulu und Kampala in Uganda.
Doch Childers geht es nicht allein darum, Kinder in Sicherheit zu bringen. Er möchte ihnen auch eine Zukunft ermöglichen. Deshalb entstanden neben den Waisenhäusern verschiedene Projekte, in denen junge Menschen nach ihrer Schulzeit eine Ausbildung absolvieren oder Arbeit finden können. Dazu zählen ein landwirtschaftlicher Betrieb und ein umfangreicher Dienstleistungsstandort mit unterschiedlichen Gewerben. Die Einnahmen tragen dazu bei, Arbeitsplätze zu finanzieren und ehemaligen Waisenkindern sowie weiteren Menschen, die unter den Folgen der Kriege leiden, neue Perspektiven zu eröffnen.
Wie konkret diese Hilfe werden kann, zeigt die Geschichte der Zwillingsbrüder Peter und Paul aus dem Südsudan. Als Sam Childers sie bei einer Rettungsaktion fand, waren sie fast verhungert, verstört und schwer traumatisiert. Weil ihr Überleben kaum vorstellbar schien, nannte er sie seine „Wunderbabys“. 2015 kamen die beiden in das Waisenhaus von Angels of East Africa in Gulu im Norden Ugandas, wo sie bis heute leben.
Ein Leben, das Fragen aufwirft
Die Geschichte von Sam Childers wurde 2011 unter dem Titel Machine Gun Preacher mit Gerard Butler in der Hauptrolle verfilmt. Doch hinter der Hollywood-Geschichte steht ein Hilfswerk, das sich langfristig für Kinder und junge Erwachsene in einer von Krieg und Gewalt geprägten Region einsetzt.
Hans-Hermann Heldberg, Kassenwart des Vereins Mut für Kinder e. V. und langjähriger Organisator von Childers’ Deutschlandtourneen, kennt Sam Childers seit vielen Jahren. Er hat ihn mehrfach in Afrika besucht und dabei dessen Arbeit vor Ort kennengelernt. Für Heldberg ist Childers ein außergewöhnlicher Mensch mit einer bewegten Lebensgeschichte und einer Vorgehensweise, die nicht unumstritten ist.
Am 17. Oktober 2026 war Hans-Hermann Heldberg mit Sam Childers und dessen Team im Jesus Centrum Kassel zu Gast. Dabei stand die Geschichte eines Mannes im Mittelpunkt, dessen radikale Lebenswende ebenso herausfordert wie sein Einsatz für Kinder in Not.
Was bleibt von dieser Begegnung? Neben den Fragen nach den Grenzen christlichen Handelns steht das Schicksal der Kinder, die ohne Hilfe kaum eine Chance auf ein sicheres Leben hätten. Die Geschichte von Sam Childers fordert dazu heraus, nicht wegzusehen, sondern zu fragen, wie Nächstenliebe ganz praktisch werden kann.
Besonders beeindruckt hat mich an diesem Abend in Kassel, dass Sam Childers die gute Botschaft von der Sündenvergebung durch das Blut Jesu in den Mittelpunkt stellte. Er berichtete nicht nur von seinem früheren Leben, in dem er viele falsche Entscheidungen traf und anderen Schaden zufügte, sondern auch davon, wie er Gottes Vergebung erfahren hat. Diese Begegnung mit Jesus wurde zum Wendepunkt seines Lebens und zum Ausgangspunkt seines Dienstes für die Waisenkinder im Sudan.
In bewegenden Worten schilderte er, wie Jesus sein Leben grundlegend verändert hat. Für mich war es eine kraftvolle Botschaft, verbunden mit dem eindrucksvollen Lebensbericht eines Glaubensmannes, dessen Tatkraft und Begeisterung für Jesus spürbar auf die Zuhörer übergingen.
Sam Childers beendete die Veranstaltung mit den Worten:
„Jeder hat die Möglichkeit, seinem Leben eine Wende zu geben, solange er in der Lage ist, Jesus um Hilfe anzurufen.“