MEHR26 – The Sound of Joy

Der christliche Glaube als ansteckende Gesundheit 

Christen sind berufen und befähigt, die Freude am Glauben in die Welt zu tragen und den „Klang der Freude“ hörbar zu machen. Die vom Gebetshaus Augsburg veranstaltete Konferenz „MEHR26“ vom 3. bis 6. Januar 2026 vermittelte hierfür viele Impulse.
Diese kamen unter anderem zum Ausdruck in den Vorträgen von Dr. Johannes Hartl, dem Spiritus Rector der Veranstaltung, vom Gebetshaus-Missionar Elias Glaeser und vom Psychotherapeuten John Eldredge sowie im theologischen Forum „MEHRdenken“1.

Johannes Hartl über Selbstannahme

Am ersten Abend der Konferenz spricht Johannes Hartl über Selbstannahme. Wie bei fast all seinen Vorträgen üblich, visualisiert er auch diesen mit einem instruktiven Tafelbild.

Oft klafft eine Diskrepanz zwischen der Realität und dem Bild, das ich mir von mir selbst mache. Petrus ist ein Beispiel dafür. Jesus glaubt an ihn und nennt ihn Kephas, Fels (Joh 1,42). Nach dem Verrat an Jesus hat Petrus jedoch den Glauben an sich selbst verloren. Völlig desillusioniert sagt er: „Ich gehe fischen“ (Joh 21,3). Da begegnet ihm Jesus und fragt ihn: „Hast du mich lieb?“ Petrus hatte vergessen, dass er von Gott Geliebter ist. Er musste scheitern, um kein harter Fels mehr zu sein. Denn der Fels muss erst verwittern und weich werden, damit der Same wachsen kann (Lk 8,13).

Eindrücklich ist ein Bild mit vielen Prominenten, die freudestrahlend in die Kamera lächeln. Der unerwartete Titel: „This is how depression looks like“ (So sieht Depression aus). Denn alle diese Berühmtheiten haben sich das Leben genommen.

Was, wenn ich in einem Bild lebe, das ich nicht bin? Oder wenn ich dem Bild, das ich von mir habe, nicht entspreche? Hartl fordert zum Selbstversuch auf: „Mache jetzt mit deinem Smartphone ein Selfie. Magst du das Foto, das du siehst? Die Annahme deiner Selbst ist eine Lebensaufgabe. Selbstannahme bedeutet ein bedingungsloses Ja zu dir.“ Demut bedeutet, die unpassenden Bilder von sich selbst loszulassen. Die Einladung Gottes lautet: „Mache dir kein Bildnis, lass dich lieben.“ Die Liebe freut sich an der Wahrheit.

Johannes Hartl über Lobpreis

Warum loben wir Gott? Lobpreis bedeutet, mit der Wahrheit übereinzustimmen. Er verändert die Atmosphäre und unsere Perspektive. Wer Dank opfert, verherrlicht Gott (Ps 50,23). Durch Lobpreis wird unsere Beziehung zu Gott enger und unser Wortschatz, der diese Beziehung beschreibt, reicher.

Denn Liebe drückt sich aus. Eine stumme Liebe ist tot. Ein Mangel an Worten ist ein Mangel an Liebe. Der Schlüssel ist, herauszufinden, wie Gott ist und es ihm zu sagen, einen Wortschatz zu lernen und ihn auszusprechen. Auch hierfür gibt es eine praktische Übung: „Das probieren wir jetzt aus. Lobpreis, d. h.: Gott sagen, wie er ist.“ Und alle machen mit – jeder mit seinen eigenen Worten.

Johannes Hartl über Leistung

Leisten wir zu viel oder zu wenig? Wie sieht das Tun aus, das aus dem Sein fließt? Was tue ich von Herzen? Zur Würde des Menschen gehört, dass er ein Gestalter im Garten Eden ist (Kreativität).

Hartl ersetzt „Work-Life-Balance“ durch „Only love works“. Sinnstiftende Arbeit ist Teil unseres Lebens. Viktor Frankl: „Zwei Dinge geben dem Leben Sinn: Liebe und Arbeit.“ Wichtig ist, ein fokussiertes Leben zu führen und Ablenkungen zu widerstehen.

Wo ist in meinem Leben der Ort bedingungsloser Annahme? Gott sucht nach unserem Sein, nach unserem Herzen, nicht nach unserem Tun. Dieses Sein kann ich einüben: In einem ersten Schritt durch Nichtstun (Kann ich im Sein ruhen?), dann durch das Kultivieren der kindlichen Kreativität (Gibt es Raum für Spiel?) und schließlich, indem ich das Untröstliche mit Jesus betrauere.

Gott ist Mensch geworden, um uns eine zweite Kindheit zu schenken. Only Love Works – die Liebe Gottes. Es ist besser, den Schmerz zu spüren, als ihn zu verdrängen – zumal es einen Arzt gibt, der Heilung schenkt.

Elias Glaeser über Freude

Elias Glaeser vom Gebetshaus Augsburg stellt das Kongressmotto „Freude“ ins Zentrum seines Vortrags. Jesus hat viel zu sagen über Glück und Glücklichsein: „Damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde“ (Joh 15,11). Das Evangelium – die frohe Botschaft.

„Freude ist das gigantische Geheimnis des Christen“ (G. K. Chesterton). Das Fundament unserer Freude ist, dass Gott sich über uns freut. Dieser Prozess ist aktiv: „Freut euch im Herrn allewege“ (Phil 4,4). Es gilt, die Freude im Herzen zu kultivieren.

Wie geht das? Glücklich macht mich, das zu wollen, was ich habe. Ich kann mich auf das Gute fokussieren. Erlaubst du es dir, glücklich zu sein? Freude beschleunigt die Wundheilung und reduziert Stress. Die Freude am Herrn ist meine Stärke. Lassen wir uns die Freude nicht rauben!

John Eldredge über innige Gemeinschaft mit Jesus

Der US-amerikanische Psychotherapeut John Eldredge, der vor allem durch sein Buch „Wild at Heart“ (deutscher Titel: „Der ungezähmte Mann“) bekannt wurde, stellt fest, dass sich die Welt in einer mentalen Gesundheitskrise befindet. Dies kontrastiert er mit der Schönheit des Evangeliums und der Heilung der Seele durch die Vereinigung mit Christus.

Die Seele ist dazu geschaffen, in Einheit mit Gott zu sein. Wie die Finger beim Gebet eng miteinander verbunden sind, so auch der Weinstock mit den Reben (Joh 15). Zwei Kapitel später kommt eine noch tiefere Einheit zum Ausdruck (Joh 17): Wie Jesus mit dem Vater verbunden ist, so sollen auch wir mit ihm verbunden sein. Einheit und Gemeinschaft sind das große Geheimnis des christlichen Lebens.

Wir können lernen, alle Sorgen auf Jesus zu werfen, ihm Zugang zu unserem Schmerz, unseren Traumata, unserer Einsamkeit und unserem Bedürfnis nach Liebe zu geben und aus der Stille heraus auf seine Stimme zu hören. Und dann zitiert Eldredge den Kirchenvater Irenäus von Lyon aus dem 2. Jahrhundert: „Die Herrlichkeit Gottes ist der lebendige Mensch, das Leben des Menschen ist die Gottesschau.“

Das theologische Forum MEHRdenken

Im theologischen Forum „MEHRdenken“ mit sieben Theologinnen und Theologen ging es um das Nizänische Glaubensbekenntnis. Auf dem Konzil von Nizäa (325 n. Chr.) wurde die Wesensgleichheit Jesu Christi mit Gott Vater bekräftigt. Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Das Forum beleuchtete verschiedene Facetten dieses Glaubensbekenntnisses aus den Bereichen Neues Testament (NT), Altes Testament (AT), Kirchengeschichte, Christologie und Philosophie. Das Forum sollte unter anderem Christen motivieren, theologische Diskurse mitzugestalten, und junge Menschen ermutigen, Theologie und Philosophie zu studieren.

Fazit

Die MEHR wurde durch die Präsentation christlicher Werke in zwei Messehallen bereichert. Und wie immer war Lobpreis ein wesentliches Element. Insgesamt war die MEHR26 eine Einladung, die Freude am christlichen Glauben neu zu entdecken und zu leben. Der christliche Glaube – eine ansteckende Gesundheit. MEHR davon!2

Text und Bilder: Dr. Helmut Brückner

1 Außerdem gab es Beiträge der Olympiasiegerin im Kugelstoßen, Yemisi Ogunleye, des Astrophysikers Heino Falcke, des Landesbischofs Tobias Bilz, des Iraners Mojtaba Barahimi, der Ordensschwester Teresa Zukic und der Staatsanwältin Jana Ringwald. Darüber berichten wir in der Printausgabe von Charisma 216.

2 Das Gebetshaus Augsburg bietet die Vorträge der MEHR26 zum Download oder als Stick an: https://shop.gebetshaus.org/collections/accessoires/products/mehr-2026-alle-vortrage-download

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Autor

  • Dr. rer. nat. habil. Helmut Brückner, emeritierter Professor für Physische Geographie an der Universität zu Köln, hat auf seinen Reisen Christen in vielen Ländern besucht. Er freut sich über die Bereicherung, die Deutschland durch Christen aus aller Welt erfährt.

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