Eine ganze Weile wurden für das Potenzial und die Probleme Afrikas kaum Erfolg versprechende neue Ansätze wahrgenommen. Doch die Probleme Afrikas fressen die zahlreichen Hilfen oft schneller auf, als diese bereitgestellt werden können. Der Westen verweist natürlich eher auf die korrupten Eliten vor Ort als auf seine eigene postkoloniale Ausbeutung. Er interessiert sich eher für Rohstoffe und verschweigt seine Zollpolitik gegenüber verarbeiteten afrikanischen Konsumgütern. Doch unser Gott ist ein Gott der Lösungen!
Hat Gott Antworten auf gesellschaftliche Probleme?
Afrika beherbergt eine große Zahl von Christen. Viele afrikanische Länder haben aufgrund häufiger Erweckungen vor und nach ihrer Unabhängigkeit eine erstaunlich große Anzahl Christen. Die Gläubigen der traditionellen Kirchen sowie der vielen neuen Gemeinden und ihrer Verbände bilden oft eine Mehrheit. Im ostafrikanischen Uganda sprechen wir je nach Quelle von mindestens 65 % der Bevölkerung, die sich zum christlichen Glauben bekennen. Das Christentum in Uganda ist selbstbewusst und trägt eine ureigene Identität der Stärke in sich, die oft aus prophetischen Bibelstellen abgeleitet wird, wie dieser: „Doch es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg (d. h. die Macht) des Hauses des Herrn fest gegründet an der Spitze der Berge stehen und wird über alle Höhen erhaben sein, und die Völker werden ihm zuströmen“ (Mi 4,1).
Da wundert es nicht, dass gerade jetzt von dort neue Lösungsansätze für die Probleme Afrikas kommen. Eine wachsende Zahl von Leitern empfindet „ein neues Reden Gottes“, einen göttlichen Ruf, die nationalen Probleme aus den Gemeinden heraus anzugehen. Diesmal geht es um Verbindlichkeit, um ganzheitliches Leben und verantwortungsbewusste Gemeinschaft – konkret um die Gründung christlicher Dorf- und Lebensgemeinschaften auf dem Land. Und das genau dort, wo viele nur weg möchten, von wo die Ärmsten in den Traum der Stadt abwandern – und sich dann in Slums wiederfinden.
Vision eines neuen Afrikas
Laban M. Jjumba, der uns aus dem Transformationsvideo bekannt ist, ist einer der kontinentalen Leiter der Gebetsbewegung „Intercessors for Africa“ für Ostafrika und langjähriges Vorstandsmitglied der „Deliverance Churches of Uganda“. Vor 30 Jahren empfing er einen göttlichen Traum, den er aufschrieb und auf einer Konferenz mitteilte. Danach legte er ihn zu den Akten. Doch Jahre später spricht der Heilige Geist zu ihm und er erkennt: Die Zeit der Erfüllung der visionären Inhalte des Traums ist gekommen. Unverzüglich greift er das Reden Gottes auf und wird aktiv.
Hier ein Auszug aus dem Traum: „Ich sah, wie Gruppen von Christen aus Großstädten in die ländlichen Gegenden Afrikas zogen und dort moderne Dörfer gründeten. Diese waren gut durchgeplant und verfügten über große Grundstücke für Familien. Die dorthin Gezogenen errichteten Einfamilienhäuser mit moderner Ausstattung wie fließendes Wasser und Strom. Die Familien bauten Nahrungsmittel und Gemüse für ihre eigene Versorgung an, verarbeiteten diese weiter und stellten so zahlreiche Produkte für den Eigenbedarf und zum Verkauf her. Um die Ansiedlungen herum gab es bewirtschaftete Felder samt bäuerlichen Gebäuden. Auch hier dienten die Ernten der Selbstversorgung und dem Verkauf. In vielen Heimarbeitsbetrieben wurden diese Produkte verarbeitet und verpackt. Im Zentrum der Dörfer war großzügig Raum gelassen. Dort wurden Kirchen, andere gemeinschaftliche Gebäude sowie Geschäfte des sozialen und gesellschaftlichen Lebens wie Schulen und Krankenhäuser gebaut. Diese Dörfer waren auch Stützpunkte, um das Evangelium zu verkünden, und Menschen wandten sich Christus zu. Die Neubekehrten wurden unterrichtet. Sie wurden nicht nur in christlicher Lehre unterwiesen, sondern auch in praktischen Berufen, die in den Dörfern ausgeübt wurden. Die neuen Gemeinschaften hinterließen den Eindruck wirtschaftlicher Einheiten, die sich selbst versorgten, untereinander Handel trieben und auch in die Städte lieferten. In ihren Dörfern sah man weder Armut noch Hunger; die Menschen wirkten beschäftigt und glücklich.“
Neue christliche Dorfgemeinschaften als Pilotprojekt
Pastor Laban entdeckte Jahre später, dass Gott auf dem ganzen Kontinent Leiter in dieselbe Richtung lenkt. Es ist eine neue Betonung des ganzheitlichen Lebens im Leib Jesu, eine Hinwendung zum gemeinschaftlichen, holistischen Ausleben des Glaubens statt des üblichen Versammlungschristentums. Pastor Laban und seine Freunde gründeten zwei dörfliche Pilotprojekte: eines in Westuganda bei Mubende und eines in Norduganda in der Nähe von Gulu. Die Handlungsgrundlage bilden historische Gemeinschaften mit ähnlichen Strukturen wie Kooperativen (z. B. die Moshavs, eine familienorientierte Form der Kibbuz-Bewegung in Israel). Es geht nicht um Mönchstum oder Isolation von der Gesellschaft, sondern um das Gegenteil! Es geht um die Stärkung und Förderung der lokalen Bevölkerung, um offene Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, die einen ganzen Kontinent erneuern sollen. Von Dorf zu Dorf! Durch verbindliches, gemeinschaftliches, christliches Leben!
Afrikanische Lebensart integrieren
Diese neuen christlichen Initiativen sind auch eine Antwort auf das Versagen von Staat und Wirtschaft – nicht nur in den Entwicklungsländern, sondern auch bei uns im Westen – und stellen einen Gegenentwurf zum überzogenen Individualismus dar. Hier geht man nicht mehr nur in die Kirche, um seine Religion auszuüben, sondern lebt sie primär zu Hause zusammen mit der Nachbarschaft. Diese dorfähnliche Lebensweise ermöglicht eine neue Art, den Nächsten wie sich selbst zu lieben. Auf diese Weise werden alte afrikanische Strategien zur Lebensbewältigung erfolgreich integriert.
In derartigen christlichen Dorfgemeinschaften entspricht vieles der Lebensart afrikanischer Gesellschaften, in denen die Belange des Lebens eher gemeinschaftlich als individualistisch gelöst werden. Die Leiter und Leiterinnen, die sich durch eine über Jahre erworbene natürliche Autorität auszeichnen (Älteste), steuern die kleinen Schiffe durch das Meer der Zeit. Jeder, der die Lebensweise der Gemeinschaft teilt und sich integriert, ist willkommen.
In städtischen Gemeinden wird auch unter den Erfolgreicheren für den Aufbau auf dem Land geworben. Dabei geht es nicht um Geld, sondern um den ganzen Einsatz des Lebens: „Komm, bau mit uns ein neues Afrika!“ Wer wird mithelfen, dieses neue Afrika aufzubauen? Wer wird sich von Jesus rufen lassen und mehr als nur Sympathie zeigen, sondern sich mit ihm identifizieren und entsprechend handeln?
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